Tipps, Tricks und Wissenswertes

An dieser Stelle gibt Werner Riebesel Tipps rund ums Thema Disc Golf.

Werner spielt seit 2011 Disc Golf, ist seit fast Anbeginn Vereinsmitglied, mehrfacher Vereinsmeister und bei Turnieren der German Tour am Ende gerne auf dem Stockerl zu finden. Außerdem ist er im Deutschen-Frisbee-Verband (DFV) aktiv und zeichnet für das D-Rating verantwortlich.

Aber nicht nur das – Werner ist auch Deutscher Meister 2021 in der Division MP50 und 1. Bayerischer Meister Pro Masters 50+!!

Einleitung

Wenn ich hier von Training schreibe, dann meine ich das, was der Amerikaner ‚field work‘ nennt. Sich mit ein paar Leuten treffen und 1-3 Runden spielen ist kein effizientes Training. Die meiste Zeit steht oder geht man. Und fast nie wirft man den gleichen Wurf nochmal.

Für ein gutes Training muss man also nicht zu einem Kurs fahren. Ein Korb ist aber sehr hilfreich. Viel wichtiger ist es, Würfe so lange zu trainieren, bis sie reproduzierbar sind.

Deswegen habe ich von den Scheiben, die ich im Turnier am häufigsten benutze, auch mehrere – meist mindestens fünf Gleiche. So kann man mehrfach den gleichen Wurf mit der gleichen Scheibe machen und sieht, ob die Flugbahn und der Landepunkt identisch sind.

Vor dem Training sollte man sich überlegen, was man heute trainieren möchte, also z.B. Vorhand, Rückhand Anhyzer, Putten, Annäherungen, …

Ich habe, wie jeder ambitionierte Disc-Golfer, mehr Scheiben als in meine Tasche passen. Für jedes Training und für jedes Turnier überlege ich mir vorher, welche Scheiben ich wie oft einpacke. Somit ist meine Tasche fast jedesmal anders gepackt.

Aufwärmen

Je älter man ist, desto wichtiger ist es, sich vor dem Werfen aufzuwärmen. Selbst von sehr guten Spielern wie Bene Heiß hört man: ‚Ich hab stundenlang Drives geworfen und am nächsten Tag tat mir total die Schulter weh.‘ Nicht überraschend.

Hier habe ich eine sehr gute Adresse im Web: www.discgolfstrong.com. Dort gibt es kostenlose Übungsunterlagen und auch bei YouTube findet man über 100 Videos, z.B. Disc Golf Strong Pre-Round Warm-Up Routine. Ich war Mitglied #2 bei denen, bin aber wieder ausgestiegen, weil mir die Übungseinheiten mehrmals in der Woche zu repetitiv waren. Aber die Aufwärmübungen mache ich immer, vor jedem Training, vor jedem Turnier und seitdem tut mir am nächsten Tag nichts mehr weh.

Putten

Wie sieht ein guter Putt aus?
Die Scheibe fliegt …

  1. … in die Ketten und nicht direkt in den festen, gitterförmigen Korb.
  2. … von allen Seiten aus gesehen so waagrecht wie möglich.
  3. … so zügig wie möglich.

Warum?

Zu 1: Der Amerikaner sagt ‚putt through it, not to it‘. Wenn die Flugbahn gerade durch die Ketten geht, dann trifft man auch dann noch, wenn man kleine Abweichungen in der Geschwindigkeit hat. Zielt man hingegen auf den gitterförmigen, festen Teil des Korbs, dann geht ein Wurf, der ein bisschen zu niedrig oder zu langsam ist, vorbei. Außerdem ist der Trefferquerschnitt der Ketten vom Werfer aus gesehen größer als der des Gitterkorbs.

Zu 2: Das hat 2 Vorteile: Erstens ist die Scheibe dadurch erheblich weniger windanfällig. Man kann so also bei mehr Wind putten ohne besonders vorhalten zu müssen. Und zweitens (noch wichtiger) fliegt die Scheibe dann keine Kurve auf dem Weg zum Korb. Es ist ein extrem häufiger Fehler, dass Leute den Putt im Hyzer werfen und die Scheibe dann der Kurve folgend links am Korb vorbei geht.

Zu 3: Das ist besonders bei Wind sehr hilfreich, weil dann der Wind weniger Zeit hat, die Scheibe zu verblasen. Bei Windstille verschärft es das Hyzer-Problem (siehe Punkt 2).

Bewegungsablauf

Im Gegensatz zu einem Drive kann man die Putt-Technik 1:1 von Profis übernehmen. Ich höre immer wieder, auch von sehr guten Spielern, dass ihnen nach einer längeren Pause das Gefühl für den Putt abhandengekommen ist und dass sie gar nicht wissen, was sie eigentlich wie machen sollen. Das finde ich den völlig falschen Ansatz.

Ich habe mir überlegt, wie meine Putt-Bewegung sein muss, damit sie die Trefferchancen verbessert. Dabei kam folgendes raus:

  • immer gleich hinstellen (Fußstellung relativ zur Korbrichtung)
  • ein Kettenglied anvisieren (nicht den ganzen Korb)
  • Flugbahn visualisieren (entweder mental oder mit Wurfbewegung ohne Scheibe)
  • Winkel der Scheibe vor dem Abwurf kontrollieren (Ich hebe die Nase der Scheibe leicht an, damit sie besser gleitet. So fliegt sie bei gleichem Tempo weiter.)
  • nach unten ausholen
  • Gewicht auf den hinteren Fuß verlagern, um mehr Beschleunigungsstrecke zu haben
  • DORT KURZ VERHARREN (das macht keine/r automatisch)
  • langsam und gleichmäßig beschleunigen (wir wollen schon eine hohe Abwurfgeschwindigkeit erreichen, aber erst kurz vor dem Ende der Strecke)
  • beim Abwurf so viel Spin wie möglich mitgeben, aber nur so wenig, dass man die Scheibe nicht verreißt (dann fliegt sie bei mir nach rechts). Mehr Spin = längere gerade Flugbahn.
  • kurz bevor die vollständige Armstreckung erreicht ist, die Hand AKTIV öffnen

Wenn man sich das im Ganzen anguckt, dann sieht man diverse Komponenten, die man bei den Top-Spielern auch wiederfindet.

Vorteil dieser Methode ist, dass man auch putten kann, wenn man meint, gerade kein Gefühl dafür zu haben. Dann einfach nach o.g. Rezept vorgehen.

Trainingsmethode

Stark verkürzt: putten übe ich mit jyly.altervista.org.

Markiere Punkte in 5, 6, 7, 8, 9 und 10 Meter Abstand vom Korb. Dann nimm 5 Putter und beginne die erste von 20 Runden an der 10m Marke.

Für jeden Treffer erhältst du so viel Punkte, wie du Meter vom Korb entfernt bist. Für jeden Nicht-Treffer gehst du einen Meter näher ran. Den Abwurf-Punkt für die nächste Runde gibt die Anzahl der Treffer vor (5 Treffer = Abwurf von der 10m Marke, 0 Treffer = Abwurf von der 5m Marke).

Also z.B. 1 Treffer aus 10m: 10 Punkte, nächste 5 Putts aus 6m. Dort 4 Treffer, also 4×6 = 24 Punkte und weiter bei der 9m Marke. Diese ganze Rechnerei nimmt die die o.g. Webseite ab.

Der entscheidende Vorteil dieses Konzepts ist, dass der Algorithmus die neue Putt-Entfernung vorgibt. Viele Leute üben ja: Ich werfe 3 Putter, wenn ich alle treffe, gehe ich 1 Meter weiter weg. Das ist nur 1 Meter Unterschied und damit noch fast der gleiche Putt. Im Turnier sind die tatsächlich auftretenden Putt-Entfernungen auch zufällig verteilt.

Übrigens speichert die o.g. Webseite alle Übungsrunden, während das die gleichnamige Android-App nicht tat.

Zum Vergleich oder zum Ansporn: Ich bin sehr selten unter 500 Punkten, öfter über 600 und mein Rekord ist 708.

Annäherungen (approaches)

Es ist im Disc Golf extrem wichtig, dass man weiß, welche Scheibe und welchen Wurf man für welche Entfernung verwendet. Das kann man folgendermaßen üben:

Die Tasche so packen, dass man viele verschiedene Typen von Scheiben dabei hat (Putter, Midrange, Fairway, Driver; instabil, neutral, überstabil). Am Besten hat man von jeder Sorte mindestens 2 dabei.

Bei mir fliegt ein guter Wurf 100 Meter weit. Ich markiere also die Entfernungen von 20m bis 90m in 10 Meter Schritten mit selbstgebastelten Markern.

Dann werfe ich alle Scheiben auf die 20m Marke, und zwar in mehreren Runden, denn hier sollte man auch die Wurfart variieren (Rückhand, Vorhand, gerade, hyzer, anhyzer, hyzer flip, S-Kurve, tomahawk, thumber, grenade, anderen Arm, …). Dann geht es auf die nächste Entfernung, wo wieder alle geeigneten Scheiben in vielen Varianten geworfen werden.

So entwickelt man ein Gefühl, mit welcher Scheibe und welchem Wurf man am zuverlässigsten auf eine bestimmte Entfernung kommt. Wenn man seine Lieblingsscheiben oft genug in den merkwürdigsten Winkeln geworfen hat, dann kann man deren Flugbahnen gut abschätzen. Das ist im Turnier wichtig, wo man manchmal Würfe braucht, die man noch nie probiert hat.

30-90-birdie

Damit man den Fortschritt beim approach-and-putt messen kann, habe ich mir diese Übung ausgedacht.

  • Tasche so packen, dass man von allen Scheibentypen möglichst viele gleiche dabei hat. Meine Tasche enthält für diese Übung je 5 Stück: Aviar, Envy, Comet, Compass, Saint, Sword.
  • Korb aufstellen oder vorhandenen verwenden
  • Markiere alle 10 Meter von 30m bis 90m Entfernung zum Korb
  • Beginne bei 40m (nicht bei 30m) und wirf von da 10 Scheiben. Zum Korb gehen, Scheiben holen und nochmal werfen gilt nicht. 10 Scheiben aus der Tasche hintereinander.
  • Dann mach von der Lage jeder der geworfenen Scheiben einen Putt und zähle die Treffer. Der Treffer zählt nur dann, wenn es ein birdie war. Wenn der Putt zum birdie daneben ging, dann gibts dafür keinen Punkt.
  • Dann zur nächsten Runde. Die Entfernungen werden in dieser Reihenfolge gespielt: 40 – 60 – 80 – 30 – 50 – 70 – 90. So hat man immer mindestens 20m Änderung, also einen ziemlich anderen Wurf und es kommt das schwierigste zuletzt.
  • Ziel ist es, möglichst viele von den max. möglichen 70 birdies zu erzielen. Meine Bestwerte liegen bei 56 (mit rechts) und 55 (links werfen, rechts putten).

Weiterer Inhalt folgt...

In unregelmäßigen Abständen werden an dieser Stelle weitere Trainings-Tipps und wissenswertes rund ums Thema Disc Golf folgen. Schaut einfach ab und an wieder hier vorbei.

Liebe Grüße, Werner

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Mark

    Thanks for your blog, nice to read. Do not stop.

Schreibe einen Kommentar